M u s i c = [ L i f e ]* <3



Sächsisch. Köstlich.

Gudn Morschn liebe Gemeende, mir ham uns heide hier vorsammlt, um uns e'mol dorr sächsischn Sproche zu widm'n.. erm, Verzeihung. Ich vergaß. Der Grossteil meiner Leser dürfte mit dieser Art von Schreibe nicht allzu viel anfangen können. Ich fange also noch mal von vorne an, um es auch für jeden verständlich zu machen.

Guten Morgen liebe Gemeinde, wir haben uns heute hier versammelt, um uns einmal der sächsischen Sprache zu widmen. Sicherlich weiss ich genau, dass es nicht im Geringsten komisch ist in diesem scheiss Dialekt zu schreiben, sondern dass dies vielmehr total lächerlich und unterbelichtet rüberkommt. Ich als Ostdeutsche und Fast-Sächsin kann das sogar nachvollziehen. Spitzenklasse finde ich immer wieder, wenn jemand sächsisch redend im Fernsehen zu sehen ist, unbedingt mit Untertiteln versehen werden muss, weil den armen Deppen sonst kein Ast versteht, da er es nicht nur vermag sich in diesem grässlichen Dialekt zu artikulieren, sondern dabei auch noch so schlimm zu nuscheln, als hätte er einen verfaulenden Frosch im Mund. Weiterhin problematisch kommt hinzu, dass sächsisch nicht gleich sächsisch ist. Hier wird ja in jeder Region ein ganz anderer Dialekt gesprochen, ja sogar in manch benachbarten Dörfern reden die Leute unterschiedlich. Welchem Aussenstehenden ist es da schon möglich, dieses Kauderwelsch vollständig zu verstehen.

Schriftlich ist das natürlich unmöglich rüberzubringen, was da so alles an Sprachvergewaltigung durch unsere lieben Sachsen vollzogen wird. Wörter werden einfach zusammengezogen, Vokale vollständig verändert, verfeinert mit dem Unvermögen bestimmte harte Konsonanten auszusprechen. Ich will versuchen, das an einem einfachen Beispiel zu erläutern. Nehmen wir als erstes das Beispiel Baum. Ein Baum heisst beim ordentlichen und pflichtbewussten Sachsen natürlich nicht Baum, sondern "Bohm". Vokalveränderung und In-die-Länge-ziehen (h), nenne ich das mal. Nun erweitern wir unseren Baum zu einer Pappel, also einem Pappelbaum. Die Schlauen unter euch werden bereits erkannt haben, dass dieses Wort ins sächsische übersetzt folgendermassen aussieht: "Papplbohm", wobei ich hinzufügen muss, dass der Sachse es nicht etwa so ausspricht, wie es hier steht, nein, er sagt "Babblbohm". Gaynial, nicht wahr? Dazu gibt es sogar ein richtiges Sprichwort, welches lautet:

Brinbohm schreibd ma midd Birnbohm B
un' Papplbohm schreibd ma midd Papplbohm P.

Tolle Sache ist das. Ich hoffe, da ist jeder in der Lage das zu übersetzen und zu verstehen, dass sowohl B als auch P eigentlich gleich ausgesprochen werden. Im Prinzip ist es also gar nicht so schwer, solch einfaches Zeug zu verstehen. Und ja, wo wir grad' bei Bäumen sind: Wer kann mir sagen, was Apfelbaum übersetzt heisst? Genau - Äbblbohm.

Nachdem ich so viel von dem Scheiss erklärt habe, werde ich jetzt mal für die Entspannung der Denkleistung sorgen und einfach mal ein paar Sachen übersetzt präsentieren - das ist ganz praktisch für all diejenigen, die irgendwann einmal im Leben vorhaben, hierher in den wunderschönen, sehenswerten Osten zu kommen und ein bisschen Angst haben, sich ohne die einheimische Sprach nicht verständigen zu können. Keine Panik, so schwer ist es gar nicht!

Gudn Morschn/Daach/Ahmd. (Guten Morgen/Tag/Abend.)
Wie schbähd hammrsn? (Wie spät ist es?)
Schulldschnsä bidde. (Entschuldigen Sie bitte.)
Wie gehdsn so? (Wie geht es Ihnen?)
Uff Wiedrsähn! (Auf Wiedersehn!)

Na! Das war doch gar nicht so schlimm, oder? Man muss einfach nur die "Glozzn uffspärrn" und den ganzen Dreck erstmal "ausnandabiehbln", dann klappt das alles schon.

Etwas schwieriger wird es aber dann schon. Denn das Sachsenvolk neigt nicht nur dazu, die Wörter zu verändern, nein, teilweise erfinden die sogar komplett neue. Kartoffeln werden demnach auch "Ähborn" genannt, eine Fußbank ist eine "Hidsche" und der Kopf heißt gerne mal "Nischl". Wer jetzt den Kopf schüttelt und sich denkt, dass das alles absolut dämlich klingt, dem kann ich nur Recht geben. Ich fühle mich an dieser Stelle genötigt, dass ich persönlich mich ganz und gar nicht auf diese Art und Weise zu verständigen pflege, sondern noch relativ normal zu Reden im Stande bin, dass ich jedoch genauso in der Lage bin, derartige Wörter zu verstehen, ganz einfach, da sie mir aus meinem Umfeld bekannt sind. Ich KANN so reden. Muss ich aber NICHT.

Woran erkennt man eigentlich einen Sachsen bzw. Ostdeutschen, wenn er sich im Sommerurlaub befindet? Nein, nicht nur an seiner Sprache. Auf die Füsse muss man gucken. Diese äusserst modebewussten Menschen sind oft in einer Kombination aus Sandalen und weissen Tennissocken anzutreffen, die so hoch wie möglich gezogen sind, damit sie auch tatsächlich ins Auge stechen. Wer in der brütenden Hitze so jemanden antrifft, der weiss, dass es sich hierbei nicht um einen Menschen mit masochistischem Fuß-Schwitz-Folter-Wunsch handelt, sondern entweder um einen Gehirnbekloppten oder einen Ostdeutschen - oder beides! Ich kann nicht sagen, ob das nur ein Klischee ist, aber ich habe leider schon zu oft solche Vergewaltigungen meines ästhetikliebenden Auges gesehen und feststellen müssen, dass es sich tatsächlich um jemanden aus dem Osten handelte, um noch daran glauben zu können, es handele sich nur um einen Zufall. Derartige Individuen sieht man auch oft mit Hosen, die bis unter die Achseln hochgezogen werden, was nicht unbedingt dazu beiträgt, dass ihre dicken Bäuche besonders gut verborgen werden, versehen mit so einem supermodernen Bauch-Umhänge-Täschchen, zur Aufbewahrung von Geld, einem Kamm und sämtlichen anderen Wertgegenständen. Wenn ich damit nicht ein Klischee angesprochen habe, weiss ich auch nicht mehr weiter.

Da ist es auch kein Wunder, dass die meisten Westdeutschen uns Ossis nur als Deppen vom Dienst kennen. Stimmt ja auch. Nicht nur die Sprache bestätigt das, sondern auch das Benehmen, das haben wir ja heute gelernt.

Und als euer ganz persönlicher Lieblings-Depp vom Dienst verabschiede ich mich mit einem liebevollen "Leggd mich doch om Orsch!" von euch und hoffe, ihr schaut auch beim nächsten mal wieder rein, wenn ich mich über Bayrisch oder Schweizerdeutsch auskotze, was ich noch 10938043274mal grässlicher finde, als Sächsisch. Dankeschön.


 Für all diejenigen, die der Meinung sind, dass dieser Text mein voller Ernst ist, folgendes: Ich mein das nicht so. Sächsisch ist eigentlich ganz cool. Aber macht sich ja jeder drüber lustig, der nicht von dort kommt. Vielleicht konnte ich ja wenigstens mit Ironie und Wortwitz bei meinen Lesern punkten. :D





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